Was die sieben Rollen voneinander trennt
Ein Aktuar und ein Schadensachbearbeiter arbeiten oft im selben Haus, manchmal auf derselben Etage. Sie verdienen nicht dasselbe, und der Grund dafür ist kein Geheimnis: Vor der einen Rolle steht ein mathematisches Studium und eine mehrjährige Prüfungsordnung, vor der anderen eine Ausbildung. Die Knappheit macht den Unterschied, nicht die Freundlichkeit des Arbeitgebers.
Auf dieser Seite steht kein Betrag. In der privaten Versicherungswirtschaft gibt es keine öffentliche Entgelttabelle – anders als im öffentlichen Dienst, wo der Tarifvertrag die Antwort ist. Was übrig bliebe, wäre eine Schätzung ohne Quelle, ausgerechnet auf der Seite, die man wegen der Zahl aufruft. Wir zeigen stattdessen, was sich nachprüfen lässt: die Qualifikation vor jeder Rolle und das, was ihre Anzeigen verlangen.
Die Hürde vor der Rolle
Gruppiert nach dem, was vor der Rolle steht. Die vier oberen erreicht man aus der Ausbildung oder einem Studium; vor den drei unteren steht eine Prüfungsordnung, eine Erlaubnis der Industrie- und Handelskammer oder eine Laufbahn, die sich nicht abkürzen lässt. Das ist der belegbare Teil der Gehaltsfrage.
Zugang über die Ausbildung
| Rolle | Was davor steht | Offene Stellen |
|---|---|---|
| Komposit und Industrie | Ausbildung oder Studium, Spezialisierung im Haus | 67 |
| Schaden und Leistung | Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen | 59 |
| Underwriting | Ausbildung oder Studium, danach Jahre in einer Sparte | 37 |
| Leben und Vorsorge | Ausbildung oder Studium, dazu das Spezialwissen der bAV | 30 |
Mit einer Hürde davor
| Rolle | Was davor steht | Offene Stellen |
|---|---|---|
| Aktuariat | Mathematisches Studium, danach die Prüfungen der Deutschen Aktuarvereinigung | 22 |
| Makler und Vermittlung | Erlaubnis der IHK nach § 34d GewO mit Sachkundeprüfung | 16 |
| Rückversicherung | Keine eigene Prüfung, dafür Jahre aus der Erstversicherung | 8 |
Was die Anzeigen verlangen
Ausgezählt über den heutigen Bestand. Die Stufe steht in der Anzeige und stammt vom Stellenmarkt, über den sie ausgeschrieben ist – sie ist keine Einschätzung von uns. Eine Rolle, in der kaum eine Stelle ohne Berufserfahrung zu haben ist, ist schwerer zu betreten als eine mit Werkstudentenplätzen darin.
| Rolle | Ohne Berufserfahrung | Mit Berufserfahrung | Mit Personalverantwortung | Anzeigen |
|---|---|---|---|---|
| Komposit und Industrie | 3 | 55 | 9 | 67 |
| Schaden und Leistung | 4 | 52 | 3 | 59 |
| Underwriting | 2 | 29 | 6 | 37 |
| Leben und Vorsorge | 4 | 25 | 1 | 30 |
| Aktuariat | 4 | 18 | 0 | 22 |
| Makler und Vermittlung | 4 | 11 | 1 | 16 |
| Rückversicherung | 0 | 8 | 0 | 8 |
Die Spalten summieren sich weder auf die Zeile noch auf den Bestand, und beides hat einen Grund. Nach unten: 226 der 226 Anzeigen tragen überhaupt eine Erfahrungsstufe; die übrigen 0 fallen in keine Spalte. Nach oben: Eine Anzeige, deren Titel zwei Rollen nennt, steht in beiden Zeilen – warum das so ist.
Warum hier keine Zahl steht
Es gäbe drei Wege zu einer Gehaltszahl, und keiner davon führt hier zu einer, die wir verantworten könnten.
Der erste wäre ein Tarifvertrag. Den gibt es in der Versicherungswirtschaft, aber er ist nicht öffentlich abrufbar, er gilt nur für tarifgebundene Häuser, und außertarifliche Verträge sind in den Fachrollen eher die Regel als die Ausnahme. Eine Tabelle daraus wäre für einen Teil der Leser exakt und für den anderen irreführend.
Der zweite wären Gehaltsportale. Deren Zahlen sind Selbstauskünfte von unbekannter Herkunft und unbekannter Fallzahl. Sie zu übernehmen hieße, fremde Schätzungen mit unserem Namen zu beglaubigen.
Der dritte wäre der eigene Bestand. Die Anzeigen, die hier stehen, nennen so gut wie nie ein Gehalt – und aus den wenigen, die es tun, ließe sich kein Mittelwert bilden, der für die Rolle spräche.
Bleibt, was sich belegen lässt: die Qualifikation und das Anspruchsniveau. Beides steht oben. Kommt eine Erhebung mit offener Methodik dazu, gehört sie mit Quelle und Stand auf diese Seite – bis dahin ist die Leerstelle die richtige Antwort.
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