Aktuarielle Bereiche sind klein, und sie stellen ungern ins Blaue ein. Eine Fehlbesetzung kostet hier mehr als anderswo, weil das Haus die mehrjährige Ausbildung mitfinanziert und die Einarbeitung in die eigenen Systeme ein halbes Jahr dauert. Das erklärt, warum die meisten Einstiege über einen Weg laufen, auf dem sich beide Seiten vorher gesehen haben.
Der Werkstudentenplatz ist der kürzeste Weg
Wer im Studium zwölf oder achtzehn Monate in einem Aktuariat gearbeitet hat, bewirbt sich später nicht mehr als Unbekannter. Er kennt die Reservierungssoftware, weiß, wie eine Datenlieferung aus dem Bestandssystem aussieht, und hat mindestens einmal erlebt, was in den Wochen vor einem Abschluss passiert.
Für das Haus ist das eine kostengünstige Auswahl über einen langen Zeitraum. Für Sie ist es die einzige Möglichkeit, vor der Berufsentscheidung zu prüfen, ob Ihnen diese Arbeit liegt – und das ist der wichtigere Teil, weil die DAV-Ausbildung mehrere Jahre bindet.
Suchen Sie diese Stellen nicht nur bei den großen Häusern. Rückversicherer, Beratungsgesellschaften und Softwarehersteller im aktuariellen Umfeld beschäftigen ebenfalls Werkstudenten, oft mit breiterem Aufgabenzuschnitt als ein Konzernaktuariat.
Das Traineeprogramm ist der geordnete Weg
Traineeprogramme in der Versicherungswirtschaft dauern in der Regel zwischen zwölf und vierundzwanzig Monaten und führen durch mehrere Stationen. Für das Aktuariat ist das aus zwei Gründen sinnvoll: Sie sehen, wie die Zahlen, die Sie später rechnen, im Underwriting, im Schadenbereich und im Meldewesen ankommen – und Sie lernen die Menschen kennen, die Ihnen später Daten liefern müssen.
Der Preis ist Zeit. Wer ein zweijähriges Programm durchläuft, beginnt die aktuariellen Praxisjahre möglicherweise später, weil nicht jede Station als einschlägige Tätigkeit zählt. Fragen Sie deshalb vor der Zusage, welche Stationen die Vereinigung voraussichtlich anerkennt und ob das Haus die Prüfungen schon während des Programms unterstützt.
Der Direkteinstieg ist möglich, aber selten ausgeschrieben
Stellen für Berufseinsteiger heißen in Anzeigen oft nicht „Aktuar", sondern „Versicherungsmathematiker", „Mitarbeiter Reservierung", „Referent Aktuariat" oder „Analyst Risikomodellierung". Wer nach dem Titel sucht, findet die Einstiegsstellen nicht – der Titel setzt Prüfungen und drei Jahre Praxis voraus und kann deshalb gar nicht am Anfang stehen.
Suchen Sie stattdessen nach den Aufgaben: Reservierung, Tarifierung, Solvenzberechnung, Modellierung, Meldewesen. Die passenden Anzeigen erkennen Sie daran, dass sie die Unterstützung der Ausbildung ausdrücklich erwähnen. Ein Überblick über die Aufgaben steht in Das Aktuariat als Arbeitsfeld; welche Häuser gerade suchen, zeigen die ausgeschriebenen Stellen.
Was in Bewerbungen aus mathematischen Studiengängen regelmäßig fehlt
Drei Dinge, und sie kosten mehr Bewerbungen als jede Note.
Erstens der Nachweis der Zulassungsvoraussetzungen. Wer die Mathematik- und Stochastikpunkte seines Studiums kennt und im Lebenslauf benennt, nimmt dem Haus eine Prüfung ab, die es sonst selbst anstellen muss. Wie diese Nachweise funktionieren, steht in Welches Studium ins Aktuariat führt.
Zweitens ein Beleg für die Arbeit mit echten Daten. Eine Abschlussarbeit mit simulierten Daten zeigt Methodik; ein Projekt mit unvollständigen, widersprüchlichen, in mehreren Dateien liegenden Daten zeigt, dass jemand die Wirklichkeit dieses Berufs aushält.
Drittens ein Satz darüber, warum es die Versicherungswirtschaft sein soll. Mathematische Absolventen bewerben sich parallel in der Beratung, bei Banken und in der Industrie, und die Aktuariate wissen das. Wer erklären kann, was ihn an langfristigen Verpflichtungen und ihrer Bewertung interessiert, hebt sich ohne jedes Marketing ab.
Das Gespräch dreht sich um Erklärbarkeit
Rechnen Sie nicht mit einer Klausur. Rechnen Sie damit, dass Sie ein Verfahren erklären sollen, das Sie in der Abschlussarbeit benutzt haben – und zwar so, dass es jemand versteht, der nicht Mathematik studiert hat. Genau das ist die Tätigkeit: ein Ergebnis gegenüber Wirtschaftsprüfern, Vorstand und Aufsicht vertreten.
Fachlich kommen erfahrungsgemäß drei Themen vor: eine Verteilungsfrage, eine Frage zum Barwert oder zur Diskontierung und eine Frage danach, wie Sie mit einer Datenlücke umgehen würden. Auf die dritte gibt es keine richtige Antwort, sondern nur eine begründete.
Was vor der Unterschrift zu klären ist
Vier Punkte, und alle vier gehören in den Vertrag und nicht in ein Gespräch, an das sich in drei Jahren niemand erinnert:
- Übernimmt das Haus Prüfungsgebühren, Kursgebühren und Prüfungsreisen, und in welcher Höhe?
- Wie viel Lernzeit und wie viele Freistellungstage gibt es je Prüfung?
- Ab wann zählt die Tätigkeit als einschlägige Praxis im Sinne der Berufspraxisordnung?
- Welche Bindungsdauer und welche Rückzahlungsregel hängen an der Förderung, und was gilt, wenn eine Prüfung nicht bestanden wird?
Der letzte Punkt wird am häufigsten übergangen und ist der teuerste. Eine Rückzahlungsklausel, die nicht zwischen einem selbst verschuldeten Abbruch und einer betriebsbedingten Beendigung unterscheidet, ist eine Belastung, die Sie über Jahre mitschleppen.
Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen die offenen Stellen dieses Berufs, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.