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Karriere

Das Aktuariat als Arbeitsfeld: was dort tatsächlich gerechnet wird

Aktuarielle Arbeit besteht aus vier wiederkehrenden Aufgaben und einem Jahresrhythmus, der von Bilanzterminen bestimmt wird. Was auf dem Schreibtisch liegt, mit welchen Daten gearbeitet wird und wie ein Aktuariat besetzt ist.

4 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Wer im Aktuariat arbeitet, rechnet nicht den ganzen Tag. Er beschafft Daten, prüft sie, wählt ein Modell, begründet die Wahl, rechnet, vergleicht das Ergebnis mit dem des Vorjahres und schreibt auf, warum die Differenz so aussieht, wie sie aussieht. Der letzte Schritt kostet regelmäßig mehr Zeit als der vorletzte.

Diese Reihenfolge erklärt, warum aktuarielle Stellen selten an Bewerber gehen, die nur gut rechnen. Gesucht wird jemand, der eine Zahl verantworten kann, wenn der Wirtschaftsprüfer, die Aufsicht oder der Vorstand danach fragt.

Vier Aufgaben, die in jedem Haus vorkommen

Reservierung. Für Schäden, die eingetreten, aber noch nicht abgewickelt oder noch nicht einmal gemeldet sind, muss Geld zurückgestellt werden. Die Schätzung dieser Rückstellung ist die zentrale aktuarielle Aufgabe in der Schadenversicherung; in der Lebens- und Krankenversicherung tritt an ihre Stelle die Deckungsrückstellung für Verpflichtungen, die Jahrzehnte laufen.

Tarifierung. Aus Schadenverläufen, Bestandsmerkmalen und Annahmen über die Zukunft wird ein Preis. Aktuare bauen die Modelle dahinter, bestimmen die Rechnungsgrundlagen und beobachten, ob die Annahmen halten. Was daraus im Vertrieb wird, entscheidet ein anderer Teil des Hauses.

Berichterstattung. Solvency II, Handelsbilanz, interne Steuerung und Aufsichtsmeldungen verlangen jeweils eigene Rechnungen über denselben Bestand. Ein erheblicher Teil der Jahresarbeit besteht darin, diese Sichten auseinanderzuhalten und die Abweichungen zwischen ihnen zu erklären.

Modellierung und Analyse. Projektionsrechnungen, Szenarien, Rückversicherungsstrukturen, Produktideen. Das ist der Teil, den viele vor Augen haben, wenn sie sich für den Beruf entscheiden, und in den ersten Jahren der kleinste.

Der Jahresrhythmus ist fremdbestimmt

Aktuarielle Arbeit folgt Terminen, die anderswo gesetzt werden: Jahresabschluss, Quartalsmeldungen, Meldetermine der Aufsicht, Tarifwechsel zum Jahreswechsel. In den Wochen vor einem Abschluss ist die Arbeitsbelastung hoch und die Reihenfolge der Aufgaben nicht verhandelbar; danach entsteht Raum für Projekte.

Wer aus dem Studium kommt und eine gleichmäßige Auslastung erwartet, sollte das einkalkulieren. Wer aus der Wirtschaftsprüfung oder dem Rechnungswesen kommt, kennt den Rhythmus bereits.

Die Funktion, die das Gesetz verlangt

§ 31 VAG verlangt von jedem Versicherungsunternehmen eine versicherungsmathematische Funktion. Sie koordiniert die Berechnung der versicherungstechnischen Rückstellungen, hat die Angemessenheit der verwendeten Methoden, Modelle und Annahmen zu gewährleisten, beurteilt die Datenqualität, vergleicht die besten Schätzwerte mit den Erfahrungswerten und unterrichtet den Vorstand über die Verlässlichkeit der Berechnungen.

Das ist kein Randgebiet, sondern der Grund dafür, dass diese Stellen auch in Häusern besetzt sind, die gerade sparen. In der Lebensversicherung kommt nach § 141 VAG der Verantwortliche Aktuar hinzu, der persönlich bestätigt, dass die Deckungsrückstellung ordnungsgemäß gebildet ist, und der Vorstand und Aufsichtsbehörde unverzüglich informieren muss, wenn er das nicht mehr kann.

Wie ein Aktuariat besetzt ist

Die Bandbreite ist groß. In einem mittelgroßen Schadenversicherer arbeiten im Aktuariat oft weniger als ein Dutzend Menschen, in einem großen Lebensversicherer mehrere Abteilungen mit eigener Reservierung, eigener Produktrechnung und eigener Modellentwicklung. Dazu kommen die Kollegen im Risikomanagement, im Meldewesen und in der Kapitalanlage, mit denen dieselben Zahlen bearbeitet werden.

Ein typisches Team besteht aus drei Schichten: Mitarbeitern ohne Titel, die rechnen und aufbereiten; Aktuarinnen und Aktuaren in der Ausbildung, die einen Teilbereich verantworten; und Titelträgern, die unterschreiben. Der Aufstieg zwischen diesen Schichten hängt an der DAV-Ausbildung und daran, welche Rechnungen man allein tragen kann.

Womit gearbeitet wird

Die Werkzeuge sind weniger exotisch, als der Beruf klingt. Tabellenkalkulation für Zwischenschritte und Abstimmungen, R oder Python für Analysen und Modellrechnungen, SQL für den Zugriff auf Bestands- und Schadendaten, dazu die Standardsoftware des jeweiligen Hauses für Projektion und Meldewesen. In der Schadenversicherung sind Reservierungspakete verbreitet, in der Lebensversicherung Projektionssysteme, deren Bedienung man nur im Haus lernt.

Wichtiger als jede einzelne Anwendung ist die Fähigkeit, eine Rechnung reproduzierbar zu machen. Eine Zahl, die niemand nachvollziehen kann, ist im Jahresabschluss wertlos.

Daraus folgt eine Arbeitsweise, die viele aus dem Studium nicht kennen: Rechnungen werden dokumentiert, versioniert und abgenommen. Zu einem Ergebnis gehören die verwendeten Daten mit Stichtag, die getroffenen Annahmen mit Begründung, die Abweichung zum Vorjahr und der Name dessen, der geprüft hat. Häuser, die ihre Modellrechnungen ordentlich führen, halten eine Vier-Augen-Regel ein und trennen die Entwicklung eines Modells von seinem Produktivbetrieb. Wer aus der Wissenschaft kommt, empfindet das anfangs als Bremse; nach dem ersten Jahresabschluss versteht er den Grund.

Was die Arbeit von den Nachbarberufen trennt

Im Underwriting wird über einen einzelnen Vertrag entschieden, im Aktuariat über die Regel, nach der viele Verträge behandelt werden. Im Controlling wird das Ergebnis erklärt, im Aktuariat wird es vorher geschätzt. Im Risikomanagement wird die Steuerung beurteilt, im Aktuariat wird die Grundlage dafür geliefert.

Wer diese Unterscheidung nicht mag, weil ihm der direkte Bezug zum einzelnen Fall fehlt, ist in einer der Nachbarrollen glücklicher. Wer sie mag, findet in kaum einem anderen Teil der Versicherungswirtschaft eine Arbeit, deren Ergebnis so deutlich in der Bilanz sichtbar wird. Welche Häuser gerade suchen, zeigen die offenen Stellen.

Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen die offenen Stellen dieses Berufs, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.

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