Der Titel Aktuar DAV beziehungsweise Aktuarin DAV wird von der Deutschen Aktuarvereinigung vergeben, einem eingetragenen Verein mit knapp 6.900 Mitgliedern – natürliche Personen, keine Unternehmen (Stand April 2026 nach dem Lobbyregister des Deutschen Bundestages). Wer ihn führt, hat acht Prüfungen bestanden und drei Jahre einschlägige Praxis nachgewiesen.
Seit dem 1. Januar 2026 gilt dafür die Prüfungsordnung 6. Sie hat den Fächerzuschnitt neu geordnet; wer sich an Beschreibungen aus älteren Jahrgängen orientiert, plant nach einer Struktur, die es so nicht mehr gibt.
Die Zulassung entscheidet sich an ECTS-Punkten
Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Studium an einer Hochschule in Deutschland; ausländische Abschlüsse werden auf Antrag im Einzelfall geprüft. Entscheidend ist aber nicht der Name des Studiengangs, sondern der Nachweis zweier Kenntnisgebiete.
Für die Mathematik gibt es drei Wege: eine Bescheinigung über den DAV-Korrespondenten der eigenen Hochschule, der Nachweis von mindestens 90 ECTS-Punkten aus mathematischen Lehrveranstaltungen oder die mathematische Zulassungsprüfung. Für die Stochastik gilt dasselbe Muster mit mindestens 30 ECTS-Punkten oder der stochastischen Zulassungsprüfung. Wer über eine Zulassungsprüfung kommt, muss sie zeitlich vor den Prüfungen des Grund- und Spezialwissens ablegen.
Daraus folgt eine Empfehlung, die früher greift als jede Bewerbung: Wer im Studium bereits weiß, dass er in diese Richtung will, sollte die Zahl der mathematischen und stochastischen Credits im Blick behalten. Welche Studiengänge das ohnehin mitbringen, steht in Welches Studium ins Aktuariat führt.
Sechs Fächer Grundwissen
Das Grundwissen besteht nach der Prüfungsordnung 6 aus sechs Fächern:
- Wirtschaftliches und rechtliches Umfeld
- Angewandte Stochastik
- Data Science und Künstliche Intelligenz
- Finanzmathematik und Risikobewertung
- Versicherungsmathematik
- Rechnungslegung, ERM und Modellierung
Bemerkenswert ist der dritte Punkt. Data Science und Künstliche Intelligenz stehen nicht als Wahlmöglichkeit am Rand, sondern als Pflichtfach im Unterbau. Wer sich fragt, ob die statistischen Verfahren, die in Stellenanzeigen auftauchen, für diesen Beruf eine Mode sind: Die Berufsvertretung hat sie in das Fundament ihrer Prüfungsfolge geschrieben.
Zwei Prüfungen Spezialwissen aus neun Richtungen
Auf das Grundwissen folgt das Spezialwissen. Zu bestehen sind zwei Prüfungen, und beide müssen aus derselben Spezialisierung stammen. Zur Wahl stehen neun: Actuarial Data Science, Bausparen, Enterprise Risk Management, Investment und Finanzmathematik, Krankenversicherung, Lebensversicherung, Pensionen, Rechnungslegung und Schadenversicherung.
Die Wahl ist keine Geschmacksfrage, denn sie hängt an der nachgewiesenen Berufspraxis. Wer in der Schadenreservierung arbeitet, wählt sinnvollerweise Schadenversicherung; wer in der bAV sitzt, Pensionen. Was die einzelnen Richtungen als Arbeitsplatz unterscheidet, steht in Die Spezialisierungen im Aktuariat.
Zusammen sind das acht Prüfungen: sechs im Grundwissen, zwei im Spezialwissen.
Zwei Termine im Jahr, drei Orte
Geprüft wird im Mai und im Oktober jedes Jahres, in Präsenz, an drei Standorten zur Wahl: Hannover, Köln oder München.
Diese beiden Zahlen bestimmen die Dauer des ganzen Weges stärker als alles andere. Acht Prüfungen bei zwei Terminen im Jahr heißen im theoretischen Bestfall vier Jahre bei einer Prüfung je Termin, zwei Jahre bei zwei Prüfungen je Termin. Wer neben einer Vollzeitstelle lernt, schafft selten mehr als zwei pro Termin, und jede nicht bestandene Prüfung kostet ein halbes Jahr. Rechnen Sie deshalb nicht mit einer Regeldauer, sondern mit Ihrer eigenen Zahl aus offenen Fächern, geplanten Prüfungen je Termin und einem Puffer für Wiederholungen.
Die Berufspraxis läuft parallel, nicht danach
Die Berufspraxisordnung von DAV und IVS verlangt für die Mitgliedschaft in der DAV den Nachweis einer dreijährigen einschlägigen Praxis als Aktuar. Mindestens zwei Jahre dieser Tätigkeit müssen in dem gewählten Gebiet des aktuariellen Spezialwissens liegen oder in einer dort angesiedelten Querschnittstätigkeit. Der Nachweis ist mit dem Antrag auf Mitgliedschaft einzureichen.
Für den parallel geführten Titel des Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung gilt eine eigene Regel: drei Jahre auf diesem Gebiet, und mindestens zwölf davon müssen in den unmittelbar zurückliegenden sechsunddreißig Monaten liegen. Wer die Altersversorgung länger verlassen hat, kommt über diese Tür nicht ohne Weiteres zurück.
Praktisch bedeutet das: Prüfungen und Praxisjahre sollten nebeneinander laufen. Wer erst alle Prüfungen ablegt und danach eine aktuarielle Stelle sucht, verlängert seinen Weg um drei Jahre.
Was hier bewusst nicht steht
Gebühren stehen in der Kostenübersicht der Vereinigung und ändern sich; Kurspreise setzen die Akademien und Hochschulen fest, die auf die Prüfungen vorbereiten – die Vereinigung prüft, sie unterrichtet nicht. Wie oft ein Fach wiederholt werden darf, regelt die Prüfungsordnung in ihrer jeweils geltenden Fassung. Fragen Sie beides an der Quelle ab, bevor Sie einen Ausbildungsvertrag unterschreiben, und lassen Sie sich die Zusage Ihres Hauses über Kosten, Lernzeit und Freistellung schriftlich geben. Wie der erste Schritt in dieses Feld aussieht, steht in Der Einstieg ins Aktuariat.
Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen die offenen Stellen dieses Berufs, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.